Ein Temp-Mail-Dienst von innen: Der Weg einer E-Mail vom SMTP-Server auf Ihren Bildschirm
PureTempMail-Team
Das Team, das PureTempMail entwickelt und betreibt
Warum wir unsere Verarbeitungskette offenlegen
Die meisten Wegwerf-E-Mail-Dienste sind eine Blackbox. Man tippt eine Adresse ein, es erscheinen E-Mails, und was dazwischen passiert, erfährt niemand — wer die Nachrichten zu sehen bekommt, wo sie liegen und ob sie jemals wirklich gelöscht werden. Weil die ehrliche Antwort auf die Frage „Kann ich einem Temp-Mail-Dienst vertrauen?“ genau an diesen Details hängt, haben wir uns entschieden, Komponente für Komponente offenzulegen, wie PureTempMail arbeitet.
Alles Folgende beschreibt das System, das diese Website in diesem Moment betreibt. Geschrieben hat es das Team, das es gebaut hat und betreut — es ist kein geschöntes Marketing-Schaubild. Wo wir einen Kompromiss eingegangen sind, sagen wir, welchen und warum.
Schritt 1: Der SMTP-Handshake — hier endet der meiste Müll
Jede E-Mail im Internet beginnt als SMTP-Dialog. An unserem Netzrand läuft ein gehärteter SMTP-Server, der auf Port 25 lauscht und TLS anbietet, sobald der Absender es unterstützt. Meldet sich ein Mailserver und nennt einen Empfänger, nehmen wir die Nachricht nicht blind entgegen.
Schon in der RCPT-TO-Phase — bevor auch nur ein Byte des Nachrichteninhalts übertragen ist — gleichen wir die Empfängeradresse mit der Liste der aktiven Postfächer ab. Hat niemand diese Adresse erzeugt oder ist ihr Postfach bereits abgelaufen, weisen wir die Verbindung auf der Stelle mit einem dauerhaften SMTP-Fehler ab. Wir nehmen niemals erst an, um dann still zu verwerfen. Diese frühe Ablehnung folgt zugleich einer bewussten Entwurfsentscheidung: PureTempMail nimmt Post ausschließlich entgegen. Von einer PureTempMail-Adresse lässt sich keine E-Mail versenden — der Dienst taugt also nicht für Spam-, Phishing- oder Belästigungskampagnen.
Schritt 2: Eine Warteschlange zwischen Empfang und Verarbeitung
Eine angenommene Nachricht wird nicht im SMTP-Server ausgewertet. Stattdessen wandert die rohe E-Mail in eine Nachrichten-Warteschlange, und der SMTP-Dialog endet sofort. Der Grund ist das Zeitverhalten: Sendende Server erwarten binnen Sekunden eine Antwort, während das Auswerten einer großen Mail samt Anhängen deutlich länger dauern kann. Durch die Entkopplung führt auch ein plötzlicher Schwall eingehender Post nie zu Zeitüberschreitungen oder verlorenen Nachrichten — die Warteschlange fängt die Spitze ab, und ein nachgelagerter Prozess arbeitet sie ab.
Dieser Prozess zerlegt die rohe MIME-Struktur: Er holt Betreff, Absender, HTML- und Klartextteil sowie sämtliche Anhänge heraus. Anhänge landen unter zufällig erzeugten Namen in einem abgeschotteten Speicher — nie unter dem Dateinamen, den der Absender gewählt hat, was eine ganze Klasse von Pfadmanipulationsangriffen ausschließt. Kopfdaten und Nachrichtentexte gehen in die Datenbank, gekoppelt an die Ablaufzeit des Postfachs.
Schritt 3: HTML bereinigen, damit Werbemails Sie nicht verfolgen können
HTML-Mails sind der gefährlichste Teil jedes Posteingangs. Eine typische Werbenachricht enthält extern geladene Bilder (Zählpixel, die melden, wann und wo Sie sie geöffnet haben), externe Stylesheets und mitunter Skripte. Bevor Ihnen eine E-Mail angezeigt wird, läuft sie deshalb durch einen Bereinigungsfilter mit strenger Positivliste: Skripte fliegen raus, externe Ressourcen werden vollständig entfernt, und nur unbedenkliche Inline-Formatierung bleibt übrig. Ein Zählpixel wird schlicht nie geladen — der Absender erfährt also nicht, ob die Nachricht geöffnet wurde.

Das bereinigte Ergebnis wird anschließend in einem vollständig abgeschotteten iframe in Ihrem Browser dargestellt. Selbst wenn etwas Bösartiges die Bereinigung überstünde, käme es durch diese Abschottung weder an die umgebende Seite noch an Ihre Postfach-Sitzung noch an sonst etwas in Ihrem Browser heran.
Schritt 4: Echtzeit-Zustellung mit Server-Sent Events
Die meisten Temp-Mail-Seiten verlangen, dass Sie die Seite neu laden, oder fragen im Sekundentakt beim Server nach. PureTempMail hält stattdessen eine einzige, dauerhaft offene HTTP-Verbindung aus Ihrem Browser heraus — über Server-Sent Events (SSE). Sobald eine Nachricht gespeichert ist, geht ein Ereignis über diese Verbindung hinaus, und die E-Mail erscheint in Ihrem Posteingang — meist ein bis drei Sekunden nach dem Versand. Bei zeitkritischen Abläufen wie Zwei-Faktor-Codes und kurzlebigen Aktivierungslinks zählen genau diese Sekunden.
Die Verbindung sendet in festen Abständen Lebenszeichen, damit abgerissene Verbindungen auffallen; bricht das Netz weg, verbindet sich der Client automatisch neu und wartet dabei jeweils etwas länger. Derselbe Ereignisstrom versorgt auch unsere Android- und iOS-Apps — jede Plattform sieht eine neue Nachricht im selben Augenblick.
Schritt 5: Ablauf bedeutet echte Löschung
Jedes Postfach startet mit einem sichtbaren Countdown, den Sie verlängern können, solange es aktiv ist. Nach dem Ablauf übernimmt ein Aufräumjob, der alle paar Minuten läuft: Zuerst verschwinden die Anhänge von der Festplatte, danach werden die Datenbankeinträge des Postfachs und aller seiner Nachrichten kaskadierend gelöscht.
Es gibt kein Archiv, kein Backup abgelaufener Post und keine „Soft-Delete“-Markierung, die Daten unsichtbar aufbewahrt. Das ist Datensparsamkeit, die aus der Architektur folgt statt aus einer Richtlinie: Was nicht mehr existiert, können wir weder herausgeben noch verlieren, und es kann auch nicht abfließen.
Das ist der gesamte Weg — ein SMTP-Handshake, eine Warteschlange, ein Auswerter, ein Bereinigungsfilter, ein Push-Ereignis und ein Löschjob. Jede Stufe ist dafür da, dass eine Adresse, die Sie zehn Minuten nutzen, Sie danach nichts mehr kostet. Wenn Sie sich einmal fragen, ob ein Wegwerf-E-Mail-Dienst Zwielichtiges mit Ihren Nachrichten anstellt: Bitten Sie ihn, seine Verarbeitungskette offenzulegen. Wir haben es gerade getan.
Lieber die kurze, untechnische Fassung dieser Verarbeitungskette? So funktioniert PureTempMail Schritt für Schritt