Warum Websites Wegwerf-Adressen sperren: Wir haben 5 Sperrlisten analysiert
PureTempMail-Team
Das Team, das PureTempMail entwickelt und betreibt
Warum wir die Zahlen selbst nachgerechnet haben
Wenn Sie schon einmal eine temporäre E-Mail-Adresse in ein Anmeldeformular eingetragen haben und daraufhin gebeten wurden, „bitte eine dauerhafte E-Mail-Adresse zu verwenden“, sind Sie einer Sperrliste für Wegwerf-Domains begegnet. Als Betreiber eines Wegwerf-E-Mail-Dienstes wollten wir genau wissen, was hinter solchen Ablehnungen steckt. Also haben wir im Juli 2026 die fünf meistgenutzten öffentlichen Sperrlisten von GitHub heruntergeladen, vereinheitlicht, gezählt und Domain für Domain verglichen. Jede Zahl in diesem Artikel stammt aus dieser Auswertung vom 17. Juli 2026 — nichts davon ist aus dem Blogbeitrag eines anderen abgeschrieben.
Zuerst zum Beweggrund. Websites sperren Wegwerf-Adressen aus ganz praktischen Erwägungen: Scheinkonten blähen die Nutzerzahlen auf und verfälschen die Auswertungen; wer kostenlose Testphasen ausnutzt, legt der Reihe nach immer neue Postfächer an, um Limits zurückzusetzen; Marketingabteilungen verschicken ihre Kampagnen ungern an Postfächer, die sich binnen einer Stunde selbst auflösen; und Betrugsabteilungen werten einen nicht erreichbaren Nutzer als Warnsignal. Nichts davon setzt böse Absicht auf Ihrer Seite voraus. Von der anderen Seite des Formulars aus betrachtet lässt sich eine Adresse, die in sechzig Minuten nicht mehr existiert, aber kaum von der Infrastruktur echter Missbrauchsfälle unterscheiden — und deshalb sperren viele Seiten gleich die ganze Kategorie.
Die fünf Sperrlisten, die fast alle verwenden
Nahezu jede Meldung „Wegwerf-Adresse erkannt“ lässt sich auf eine Handvoll Open-Source-Repositories auf GitHub zurückführen. Am häufigsten zitiert wird disposable-email-domains, eine von Hand gepflegte Liste, bei der jeder Neuzugang als Pull Request samt Bildschirmfoto als Beleg eingereicht wird — PyPI, der Paketindex von Python, setzt sie produktiv ein. Das Projekt disposable/disposable geht genau umgekehrt vor: Ein Crawler bündelt Dutzende Quellen und erzeugt die Liste alle 24 Stunden neu. Mailchecker liefert seine Liste als Teil einer Prüfbibliothek aus, die es für mehr als acht Programmiersprachen gibt. Fakefilter überwacht bekannte Temp-Mail-Anbieter automatisiert und veröffentlicht täglich frische Daten. Und ivolo/disposable-email-domains, früher die Standardwahl, trägt inzwischen den offiziellen Hinweis, dass es nicht mehr gepflegt wird.
Unser Vorgehen war bewusst unspektakulär. Wir haben die Rohdatei jedes Repositorys abgerufen, alle Einträge in Kleinbuchstaben umgewandelt, Kommentare und Leerzeilen entfernt, Doppelungen gestrichen und die entstandenen Mengen mit gewöhnlichen Unix-Werkzeugen verglichen. Weil jede Liste dieselbe Aufbereitung durchlaufen hat, sind die folgenden Zahlen direkt vergleichbar.
Wie groß ist jede Liste?
Das haben wir am 17. Juli 2026 nach der Aufbereitung gemessen. Die Spannweite hat uns überrascht: Die kleinste noch gepflegte Liste ist etwa ein Fünfundzwanzigstel so groß wie die größte.
| Liste | Domains (ca.) | Aktualisierungsrhythmus | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| disposable-email-domains | 8.014 | Laufend; Commit am Tag vor unserem Abruf | Handkuratiert mit Belegen; von PyPI genutzt |
| disposable/disposable | 74.528 | Alle 24 Stunden neu erzeugt | Aggregiert automatisch Dutzende anderer Quellen |
| FGRibreau/mailchecker | 56.360 | Häufig; Commit am Tag vor unserem Abruf | Wird als Bibliothek in 8+ Sprachen ausgeliefert |
| 7c/fakefilter | 4.736 | Tägliche automatische Updates | Listet nur Domains, die nachweislich aktuell funktionieren |
| ivolo/disposable-email-domains | 121.569 | Nicht mehr gepflegt; letzter Commit März 2025 | Größte Liste, aber offiziell abgekündigt |
Die Größenunterschiede sind in Wahrheit Ausdruck unterschiedlicher Haltungen. Fakefilter behält nur Domains, deren Funktionieren sich gerade nachweisen lässt, und bleibt damit klein und aktuell. Der Aggregator schluckt alles, was seine Quellen veröffentlichen, und wächst entsprechend. Und ivolo ist gerade deshalb die größte Liste, weil dort niemand mehr tote Einträge entfernt — die Größe allein sagt also nichts über die Qualität aus.
Die Überraschung: Die Listen stimmen kaum überein
Das Zusammenführen aller fünf Listen ergab 162.327 eindeutige Domains. Dann haben wir die Schnittmenge berechnet — Domains, die auf jeder der fünf Listen stehen — und kamen auf 236. Das sind etwa 0,15 Prozent. Selbst nachdem wir die ungepflegte ivolo-Liste gestrichen und nur die vier aktiv gepflegten behalten hatten, besserte sich das Bild kaum: 75.497 eindeutige Domains insgesamt, von denen nur 329 auf allen vier stehen.
Die paarweisen Zahlen zeigen, wie es dazu kommt. Mailchecker und fakefilter, beide aktiv gepflegt, haben nur 482 Domains gemeinsam — rund 10 Prozent von fakefilter und keine 1 Prozent von mailchecker. Die von Hand gepflegte Liste disposable-email-domains überschneidet sich mit mailchecker bei nur 47,2 Prozent ihrer Einträge. Die einzige Stelle mit nahezu vollständiger Übereinstimmung ergibt sich zwangsläufig aus dem Aufbau: Der 24-Stunden-Aggregator enthält 95,5 Prozent der handgepflegten Liste und 99,9 Prozent von fakefilter, weil er beide als Quellen einliest.
Warum so wenig Einigkeit? Jedes Projekt beantwortet eine andere Frage. Die belegbasierte Pflege fragt: „Kann ein Mensch nachweisen, dass diese Domain Wegwerf-Postfächer bedient?“ Die automatische Überwachung fragt: „Funktioniert diese Domain gerade jetzt?“ Und die Aggregation fragt: „Hat irgendjemand irgendwo diese Domain jemals gemeldet?“ Rechnet man hinzu, dass Temp-Mail-Dienste ihre Domains ständig wechseln, beginnt jede Momentaufnahme schon in dem Augenblick zu altern, in dem sie veröffentlicht wird.
Wie Websites Ihre Adresse tatsächlich prüfen
Am einfachsten und mit Abstand am häufigsten ist der exakte Domain-Abgleich bei der Anmeldung: Die Seite trennt Ihre Adresse am @-Zeichen und schlägt die Domain in einer mitgelieferten Kopie einer dieser Listen nach, meist als npm- oder pip-Paket installiert. Das geht schnell, kostet nichts und kommt ohne Netzwerkaufruf aus — taugt aber nur so viel wie die letzte Aktualisierung der Liste. Und wie wir gerade gemessen haben, verändert schon die Wahl der Liste das Ergebnis drastisch.
Anspruchsvollere Seiten verlassen sich nicht auf statische Listen. Weil Wegwerf-Anbieter oft dieselbe Mail-Infrastruktur nutzen, lässt sich eine brandneue Domain schon erkennen, bevor sie auf irgendeiner Liste steht: indem man ihre MX-Einträge auflöst und die Mailhosts mit Infrastruktur vergleicht, die bereits bekannten Wegwerf-Diensten zugeordnet ist. An der Spitze stehen kommerzielle Prüfdienste wie ZeroBounce, Kickbox und Abstract, die Sperrlisten, MX- und DNS-Analyse, Prüfungen auf SMTP-Ebene und Mustererkennung aus Millionen von Prüfvorgängen miteinander verbinden. Sie erfassen neue Domains schneller als jede einzelne öffentliche Liste — dafür kostet jede Anmeldung einen kostenpflichtigen API-Aufruf.
Warum eine Seite eine Adresse akzeptiert, die eine andere ablehnt
Unsere Überschneidungsdaten erklären eine verbreitete Erfahrung: Dieselbe temporäre Adresse rutscht durch das eine Anmeldeformular und prallt am nächsten ab. Wenn nur 0,15 Prozent der Domains auf allen fünf Listen stehen, entscheidet faktisch die Wahl der Liste — und wie frisch die Kopie auf der Seite ist. Eine Domain, die heute in fakefilter aufgenommen wird, braucht womöglich einen Tag bis in den Aggregator und erreicht die Beleghürde der handgepflegten Liste vielleicht nie.
Das Veralten wirkt dabei in beide Richtungen. Eine Seite, die noch die abgekündigte ivolo-Liste ausliefert, prüft gegen 121.569 Domains, von denen viele längst tot sind — und übersieht zugleich jede Wegwerf-Domain, die seit der letzten nennenswerten Aktualisierung im März 2025 entstanden ist. Diese Seite lehnt also Adressen ab, die seit Jahren niemand mehr anlegen kann, und nimmt die neuesten Temp-Mail-Domains dieses Monats bereitwillig an.
Was tun, wenn Ihre Wegwerf-Adresse abgelehnt wird?
Lehnt ein Anmeldeformular Ihre temporäre Adresse ab, ist die Lösung meist einen Klick entfernt: Erzeugen Sie eine neue Adresse auf einer anderen Domain. Sperrlisten gleichen Domains ab, nicht Dienste, und keine der von uns gemessenen Listen deckt auch nur annähernd alle ab — zur Erinnerung: Die vier aktiv gepflegten Listen kennen zusammen 75.497 Domains, sind sich aber nur bei 329 einig. Anbieter mit mehreren Domains erlauben Ihnen deshalb sofort einen zweiten Versuch.
Wählen Sie das Werkzeug passend zum Zweck. Für einmalige Downloads, Testphasen, die Sie ohnehin nicht behalten, und als Schutzschild gegen Newsletter bleibt die Wegwerf-Adresse das richtige Mittel — eine Ablehnung heißt dann einfach: andere Domain probieren. Für Konten, die Sie wirklich behalten wollen — alles mit Zahlungen, Kontowiederherstellung oder langfristigem Zugang —, nehmen Sie ein Postfach, über das Sie dauerhaft verfügen, oder einen Alias auf Ihrem echten Konto. Sonst landet das nächste zurückgesetzte Passwort in einem Posteingang, den es nicht mehr gibt.
Sperrlisten sind grobe Werkzeuge. Unsere Messungen zeigen: Sie weichen weit häufiger voneinander ab, als sie übereinstimmen, veralten schnell und legen sehr unterschiedliche Definitionen von „Wegwerf-Adresse“ zugrunde. Wer das weiß, für den verliert die gelegentliche Ablehnung ihr Geheimnis. Sie ist kein Urteil über Sie, sondern nur das Ergebnis davon, welche Textdatei eine Entwicklerin heruntergeladen hat — und an welchem Tag.
Wenn Sie sich die Rohdaten selbst ansehen möchten, beginnen Sie mit der am weitesten verbreiteten handgepflegten Liste — derselben, mit der PyPI seine Registrierungen prüft. disposable-email-domains auf GitHub ↗
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